Hansjörg Abts Tischreden

Tischrede an die Jahresversammlung 2018

Erneut hat unsere Präsidentin in ihrem schnörkellosen, ausführlichen Jahresbericht eine insgesamt sehr positive Bilanz ziehen können. So gut wie alles ist noch besser geworden. Mit einer beklagenswerten Ausnahme: die Weinqualität an den Apéros, so ist zu lesen, befand sich „leider weiterhin im Abschwung“!

Diese Rüge, und das führt mich gleich an den Beginn meiner ergänzenden Ausführungen, diese präsidiale Rüge blieb nicht ungehört. Das erwies sich, kaum war die Tinte trocken, an unserem fulminanten Jahresabschluss-Apéro. Er hat der Berichtsperiode das krönende Glanzlicht aufgesetzt. Dank einer grosszügigen Sponsorin hat Tranksame in grosser Fülle bereit gestanden. Und zwar nicht das sattsam bekannte rosarote, dünne Gesöff, sondern zunächst ein hochkarätiger Epesses erster Provenienz. Von dem halben Dutzend Flaschen hat es leider eine nicht bis ins Bridgelokal geschafft. Sie ging schon auf dem Antransport in Brüche. Das durfte man indes als verheissungsvolles Omen für das kommende Jahr deuten, bringen doch Scherben bekanntlich Glück.

Durstig musste deswegen niemand bleiben, standen doch auf dem Tisch neben einer stattlichen Batterie Champagnerflaschen noch etliche gebrannte Wässer wie etwa Whisky vom Säntis.

Solchermassen gehörig angefeuchtet, fanden die leckeren Barbrötchen, die Margareta gleich plattenweise auffahren liess, grossen Zuspruch und hohes Lob. — Derart in ein Stimmungshoch katapultiert, verlief das anschliessende Turnier denn auch selten beschwingt. Man sah eine Reihe äusserst verwegener Lizite; vereinzelte Desaster konnten dabei nicht ausbleiben. Wer bei dieser denkwürdigen Jahresend-Party nicht dabei war, ist selber schuld.

Doch nun chronologisch durchs Berichtsjahr. Ein von unserer Präsidentin im letzten Januar inszeniertes Skiund Bridge-Weekend in Zermatt erwies sich auf Anhieb als Volltreffer. Von Bombenwetter begünstigt, wurde derart rassig und ausgiebig die Pisten hinunter geblocht, dass Bill Smith beim abendlichen Turnier immer wieder mal tief in Sekundenschlaf verfiel. Zur gehobenen Stimmung hat nicht unwesentlich ein ebenso spielstarkes wie insbesondere trinkfestes Oberwalliser Bridgeteam beigetragen. Vom Erfolg dieser Premiere beflügelt, ist vor zehn Tagen in Zermatt bereits die zweite Auflage dieses Events über die Bühne gegangen. Unter freilich etwas veränderten Umständen. Mehr davon später.

Kaum waren also vor Jahresfrist die Skis im Keller versorgt, hat unsere nimmermüde Präsidentin schon am 1. April ihre nächste Rakete gezündet: einen BridgeMarathon, zu dem nachmittags um 2 der Startschuss fiel und andernmorgens um 4 der Schlussgong ertönte. Der Andrang war über Erwarten gross, unser Bridgelokal gerammelt voll mit 19 Teams, darunter auch solche aus befreundeten Basler Clubs und sogar von auswärts. Dass kein Spieler vor Erschöpfung vom Stuhl gekippt ist, dafür hat neben einem strikten Alkoholverzicht massgeblich die gute Küche gesorgt, wo Margareta magistral den Kochlöffel schwang. Der vorsichtshalber auf Pikett gestellte Samariterverein musste also keine Bridgeleichen betreuen. In diesem 14-stündigen Zermürbungskampf obsiegt hat das Team Ruth Zumsteg und Barbara Schoop. — Auch dieser Event soll Mitte April erneut stattfinden. Anmeldungen liegen bereits vor.

Das traditionelle Schoggi-Turnier im Sommer im Landgasthof Riehen hat mir persönlich eine Erfahrung der besonderen Art beschert. Statt das Turnier, wie es Brauch und Sitte ist, nur mit einer Partnerin zu bestreiten, durfte ich gleich mit zwei charmanten Partnerinnen gemeinsam zu Werk gehen, gewissermassen ein „flotter Dreier“ also. Er hat uns auf’s Podest geführt! Das hat mir den weisen Ausspruch Friedrich Schillers in Erinnerung gerufen: „Es steht und fällt ein Volk mit seinen Frauen“!

Doch nun noch zu einigen Personalien. Die Hierarchie gebietet es, zunächst die Präsidentin zu erwähnen. Sie hat auch im letzten Sommer wieder eine schweiss- und tränenreiche Buss- und Pilgerfahrt unternommen. Diesmal nicht zu Fuss, sondern mit dem Fahrrad. Vom äussersten Zipfel der Bretagne bis hinunter nach Biarritz nahe der Grenze zu Spanien. Satte 1’300 Kilometer im Sattel. Wohlverstanden nicht auf gepflegten Velowegen, sondern auf Neben- und vielfach auch auf ruppigen Naturstrassen. Solche Strapazen setzen auch einem wohlbestallten, sportlich gestählten Allerwertesten mächtig zu. Nicht verwunderlich hat denn auch eine ihrer täglichen Kurzbotschaften an die heimatliche Front gelautet: „Ich kann nicht mehr sitzen“.

Zu was für einem Himmelfahrtskommando sie im kommenden Sommer aufzubrechen gedenkt, darüber ist bis dato nichts Gesichertes nach aussen gedrungen. Immerhin steht aber die aberwitzige Idee nicht mehr im Fokus, mit einem Schlittenhundegespann zum Südpol aufzubrechen. Aber die Besorgnis bleibt gross.

Dass diese nicht unbegründet ist, mag eine Begebenheit illustrieren, die unserer Frontfrau heuer zu Jahresbeginn im sonnigen Costa Rica widerfahren ist. Dort freilich nicht im mondänen Luxushotel am Badestrand, sondern in einem Dschungelcamp. Statt in nächtlicher Stille verzückt dem lieblichen Vogelgezwitscher und dem Krächzen putziger Äffchen zu lauschen, gellte eines Nachts zur Geisterstunde der Schreckensruf durch die Anlage: „SNAKE alert“, Achtung Schlangen ! Schluss mit wohligem Kuscheln auf der weichen Liege, stattdessen ungesäumt in die nächste Hängematte hechten, um dem gefürchteten Biss der Cobra zu entgehen.

Szenenwechsel.

Der renommierte Classic Bridge Club veranstaltet alle zwei Jahre seine traditionelle Neptun-Trophy. Bei diesem Paarturnier kämpfen die Teilnehmer um das Privileg, einen gewichtigen Pokal mit nach Hause nehmen zu dürfen und darauf ihren Namen eingravieren zu lassen. Zugleich übernehmen sie die Verpflichtung, die nächste Neptun-Trophy zu organisieren. Dieser Husarenstreich ist anfangs Dezember einer QuodlibetStammspielerin gelungen. Sie hat, zusammen mit der BGB-Präsidentin als Partnerin, der gesamten ClassicProminenz einschliesslich Altmeister Bösiger schlicht den Schneid abgekauft. — Weil ich so etwas wie ihr mentaler Coach bin, verbietet es mir die Bescheidenheit, ihren Namen zu nennen. Aber ein anerkennender Beifall wäre dennoch nicht deplaziert.

Verdienstvolles geleistet hat aber auch Rodolfo Brunner. Er hat in minutiöser Heimarbeit ein gegen zwei Dutzend Seiten starkes, illustriertes Manual verfasst über die Handhabung unseres computergesteuerten Spiel- und Abrechnungssystems. Diese „Brunner-Bibel“ soll ihn und auch andere künftig befähigen, das Turniergeschehen ohne Beihilfe korrekt zu erfassen und zum Endergebnis sowie zur Rangliste hochzurechnen. Erfahrungsgemäss zieht sich ja insbesondere diese Schlussphase manchmal etwas gar in die Länge. Mehr als 20 Minuten mag ihm sein trautes Weib Brigitte dafür nicht zugestehen; länger möchte sie nicht mit der Heimkehr warten müssen. Eher möge er halt mit jemand anderem spielen. Nun, Rodolpho hat enorme Fortschritte gemacht, hat die Distanz bis zu diesem drohenden Liebesentzug bis auf Sicht-, ja bis auf Griffweite verkürzt. Listige Beobachter wähnen indes, dass es ihm mit dem letzten Zwick an der Geissel gar nicht so sehr eile. Denn das hätte für ihn ja die Konsequenz, hin und wieder mal „fremdspielen“ zu müssen — oder zu dürfen. Honny soit qui mal y pense!

Ein dickes Lob gebührt sodann Ruth Zumsteg. Sie hat es übernommen, Anfängern oder noch nicht ganz turnierfesten Spielerinnen oder Spielern privat Unterricht zu erteilen. Sie füllt damit eine Lücke, die im Angebot unseres Clubs seit langem klafft. Zu ausgesprochenen Freundschaftstarifen fördert sie kleine Gruppen oder auch einzelne Spieler wie etwa unser neues Clubmitglied Lionel Kervella. Das Erscheinen dieses jungen, waschechten Bretonen in unseren Reihen hat bei manchen Seniorinnen die Augen leuchten lassen: Endlich wieder mal ein richtiges Mannsbild und nicht immer nur diese alten Knacker!

Zum Schluss also noch zur kürzlichen Expedition einer achtköpfigen Quodlibet-Truppe in die Schneehölle von Zermatt. An Skifahren war schon gar nicht mehr zu denken. Dafür wurde umso emsiger Bridge gespielt, zumindest an den ersten drei Tagen und Abenden. Der unaufhörliche Schneefall verwandelte derweil das Hotel still und leise in einen Iglu. Von jedwelcher sportlicher Aktivität ausserhalb des Dorfkerns wurde vorerst dringend abgeraten. Ab Dienstag wurde nur noch an einem Tisch gespielt. Die drei von Ehepartnern begleiteten Teilnehmer genügten sich selbst. Die Schwedinnen schwitzten ganze Bäche in der Sauna. Ob sie sich anschliessend zwecks Abkühlung nackt im Schnee gewälzt haben, wie es guter alter nordischer Brauch ist, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Am Bahnhof verköstigte die Gemeinde Scharen von Gästen mit heissen Bratwürsten und anderen Fressalien. Hingegen war frische Leibwäsche bald einmal nur noch schwer aufzutreiben; Handarbeit mit der Kernseife war wieder angesagt. Zwei Wanderversuche nach Findelen mussten im hüfthohen Schnee abgebrochen werden.

Mit zunehmender Dauer der Quarantäne wurden insbesondere die Nächte immer länger. Die höhenbedingt trockene Luft nötigte zu erheblich gesteigerter Flüssigkeitszufuhr. Das löste die Zungen, man kam sich näher — Soweit, was ich vom Hörensagen berichten kann.

Wer sich indes als einigermassen kundiger Hacker in den dortigen e-mail- und WhatsApp-Verkehr einzuschleusen verstand, konnte überraschende Botschaften herausfiltern. Eine davon lautete wörtlich: „Als ich heute Nacht einen Hungerast hatte und die Küche geschlossen war, fanden wir in der Bar Waldbeeren-Grappa. Der war wunderbar. Der Hotelier war anderntags beeindruckt von der Anzahl Flaschen, die wir brauchten, um den gröbsten Hunger zu stillen.“ Nähere, insbesondere personifizierte Angaben zu dieser Mitteilung verweigert Margareta standhaft unter Hinweis auf ihre ärztliche Schweigepflicht. Sie hat sich aber immerhin entlocken lassen, die fragliche Schreiberin habe am nächsten Tag ihre Liebe zum Pfefferminztee neu entdeckt…

Zusammengefasst: Es war für alle Beteiligten ein denkwürdiges Erlebnis. Man hat zusammengehalten, hat ausgeharrt, hat auch viel gelacht, ist allseits kameradschaftlich miteinander umgegangen und ist spätestens am Donnerstag Abend unversehrt und unbeschadet heimgekehrt. Eine starke Gesamtleistung, die sicher auch Beifall verdient!

Und was mich besonders beeindruckt: Von der zweiten Achtergruppe, die gemäss Plan Mitte dieses Monats nach Zermatt aufbrechen soll, hat sich niemand abschrecken lassen oder zurückgezogen. Das nenn ich Schneid !

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Ich danke ihnen für ihre Geduld, wünsche guten Appetit und einen fröhlichen Abend.

H.A. / 30.1.18

 

Tischrede am 3-Königs-Dinner 2017

Liebe Bridgefreunde,

Im Rückblick auf 2016 möchte der Chronist freudig ausrufen: Was war das doch für ein Jubeljahr! Neue Mitglieder, darunter manch jüngere, sind uns zuhauf zugeströmt. Dadurch hat sich nicht nur das Durchschnittsalter höchst erwünscht gesenkt; es waren auch die Turnierabende merklich besser besucht. Dank der vorbildlich straffen Zügelführung seitens unserer Kassenwartin schliesst auch die Jahresrechnung voraussichtlich tiefschwarz ab. Und schliesslich hat der unter dem Kommando unserer tatendurstigen Präsidentin mutwillig vom Zaun gerissene, aber dann mit Bravour über die Runden ins Ziel gebrachte 1. Basler Bridge-Drive dem ganzen noch die Krone aufgesetzt. — Das soll uns doch, bitte, mal einer nachmachen!

Zu diesem letztgenannten Event drängt es mich, die allzu prosaischen und selbstbescheidenen Anmerkungen im präsidialen Jahresbericht noch etwas zu ergänzen. Was ein aufgestelltes Damenquartett auf der Rückfahrt von Aarau nach bestandenem Swiss-Drive-Turnier als Idee in die Runde geworfen, sich daran berauscht und als Absicht beschlossen hat, war alles andere als ein Sonntagsspaziergang. Für seine Realisierung war vielmehr ein Riesenfuder an Detailarbeit zu leisten, um einen solchen Grossanlass mit immerhin 80 Teilnehmern so vorzubereiten, dass nichts dem Zufall überlassen blieb und am Schluss nirgends improvisiert werden musste.

Diesen Husarenritt haben Yvonne und Barbara über weite Strecken im Alleingang absolviert, haben sich wochenlang mit der Feinplanung und der Bereitstellung der für jedes einzelne Team nötigen Einsatzdokumente abgerackert. Und sich dabei wohl mehr als einmal verwünscht. Aber sie haben geliefert! Und ein Dreamteam des Quodlibet hat es im Wettkampf dann gar aufs Podest geschafft und den ehrenvollen 3.Rang erreicht.Beides nötigt Dank und Respekt ab und verdient hier und jetzt spontanen Beifall.

Denn täuschen wir uns nicht. Dieser rundum gelungene Basler Bridge-Drive hat unseren Club über die engen Grenzen der Region hinaus schweizweit und auch im benachbarten Ausland bekannt gemacht. Quodlibet hat an Statur und Reputation gewonnen.

Anscheinend ist aber der durchschlagende Erfolg ihrer BridgeDrive-Première den beiden Rädelsführerinnen Yvonne und Barbara wie eine Überdosis Champagner in den Kopf gestiegen. Ganz nach dem Motto „ein toller Scherz jagt den andern“ rühren sie bereits wieder die Werbetrommel für das nächste clubübergreifende Bridgegefecht. Am Samstag, dem 1. April — welch sinniges Datum — soll in unserem Clublokal ab 14 Uhr ein 15stündiger Marathon über die Bühne gehen. Drei aufeinander folgende Turniere, unterbrochen von einem Imbiss und abgeschlossen mit einer heissen Suppe frühmorgens um halb 3. Ein verwegenes Unterfangen. Doch keine Sorge: Der Samariterverein Bottmingen steht vorsorglich auf Pikett, um allfällige „Bridgeleichen“ mitfühlend einzusammeln.

Dass indes auch bei uns die Bäume nicht in den Himmel wachsen, haben die jüngst abgehaltenen Ligaspiele gezeigt. War es unserem Team vor Jahresfrist gelungen, die Mannschaft des Lokalrivalen Classic niederzuringen und im Ranking aufzusteigen, so haben die „Classicer“ heuer Revanche genommen. Und dabei hat doch alles bis vor dem letzten Turnierdurchgang so hoffnungsvoll ausgesehen! Aber dann, im abschliessenden Kräftemessen, war offenbar auf unserer Seite der Wagemut zum ambitiösen Lizit etwas zu schwach ausgeprägt. Vielleicht sollte man unserem Team künftig in den Spielpausen statt Kamillentee eine gehörige Dosis Redbull verabreichen.

Doch nun sei der Blick von der nationalen Bühne weg auf das Innenleben unseres Clubs geworfen. Unser Vorstand, von der Präsidentin souverän geführt, hat einmal mehr wie eine gut geölte Maschine zusammengewirkt und uns gemeinem Fussvolk viel spannende und freundschaftliche Turniere beschert. Dazu haben alle seine Mitglieder nützliche Beiträge geleistet. Von der Präsidentin war ja bereits lobend die Rede.

Unserem Ex-Vizepräsidenten Christoph ist die delikate Aufgabe zugewiesen, die für unsere gelegentlichen Apéros nötige Tranksame beizubringen. Zu diese Behuf unternimmt er jeweils ausgedehnte Verkostungstrips ins benachbarte Elsass. Als Ergebnis seiner diversen Pintenkehren (die in unserer Clubrechnung wohl tiefe Spuren hinterlassen) wird uns dann immer wieder mal jene himbeerrote Flüssigkeit kredenzt, von der er steif und fest behauptet, es handle sich um Wein.

Barbara ihrerseits erfüllt eine Doppelfunktion. Sie hat — zum ersten — stets ein wachsames Auge darauf, dass alles seine gute Ordnung hat und nichts aus dem Ruder läuft. Dass also beispielsweise beim bevorstehenden Vorstandsessen nicht über die Schnur gehauen wird, nachdem an der letzten GV jemand der exorbitanten Kosten wegen das Maul aufgerissen hat (böse Zungen behaupten, ich sei das gewesen). Von Barbaras zweiter, wichtigerer Funktion wird noch die Rede sein.

Ich muss es mir aus Zeitgründen versagen, auf das tatkräftige Mitwirken der übrigen Vorstandsmitglieder näher einzutreten, darf aber bestätigen, dass auch sie engagiert ihren Teil dazu beitragen, dass unser Club harmonisch und effizient funktioniert.

Bei einer Obliegenheit freilich gibt es noch Verbesserungsbedarf. Erheblichen Verbesserungsbedarf sogar, nämlich dem lästigen Geschnatter Einhalt zu gebieten, das an gewissen Tischen lautstark ausbricht, sobald dort die Boards gespielt sind, während andere noch kämpfen und sich konzentrieren möchten. Dieser Unsitte und Stilwidrigkeit sollte der Vorstand bzw. die jeweilige Spielleitung m.E. etwas dezidierter entgegen treten. Wir veranstalten schliesslich keinen ausgelassenen Lottomatch, wir spielen Bridge.

Sogleich dürfen wir aber unseren Unmut abtempieren, denn in akustischer Hinsicht ist uns auch eine Wohltat widerfahren. Sicher erinnern sie sich noch an das nerventötende Geklapper, das die vielgerühmte Mischelmaschine jeweils verursacht hat, wenn Barbara ihres Amtes als „Maschinenmeisterin“ gewaltet hat. Davon sind wir seit einiger Zeit befreit. Das elektronische Tabernakel steht jetzt am Landskronweg im fernen Flüh bei Barbara zuhause. Und zwar nicht irgendwo in der Küche oder in der Besenkammer, sondern in einem separaten, vor unbefugtem Zutritt streng abgesicherten „Maschinenraum“. Dort mischt Barbara in lauen Sommernächten munter klappernd ganze Stapel von Boards für kommende Turniere.

Ein älterer Nachbar hält da eines Abend plötzlich in seiner Lektüre inne und horcht verdutzt nach draussen. Das Klappergeräusch, das an sein Ohr trifft, kommt ihm irgendwie bekannt vor. Kein Zweifel, dieses Klappern kennt er von seiner früheren Tätigkeit her als Geologe auf Sumatra. Das darf doch nicht wahr sein: eine Klapperschlange! Den Hausrock überstreifend, den erstbesten Stock ergreifend und die flehentlichen Proteste der besorgten Gattin in den Wind schlagend eilt er in die Nacht hinaus, dem rasselnden Reptil entgegen. Beim Haus Nr. 35 verlangsamt er seinen Schritt. Hier irgendwo muss es sein. Barbara lässt gerade das letzte Board durch den Apparillo klappern. Dann ist es still, ein Licht im Obergeschoss erlischt. Der Mann tritt kopfschüttelnd und brummend den Rückzug an. Er geht aber seither an dieser Liegenschaft bewusst vorsichtig vorbei.

Und wenn wir schon bei der Akustik sind noch eine neckische Fussnote. Unsere Präsidentin hat, es mag bemerkt worden sein, seit kurzem ein neues Auto. Einen Mini-Cooper. Wer kennt es nicht, das niedliche Kistchen britischer Provenienz aus früheren Tagen. Aber oha, diese Retroversion ist ein Wolf im Schafspelz. Unter seiner unverdächtigen Motorhaube schlägt ein Titanenherz. Mit seinen fast 200 PS (!) pfeilt der Knirps in 7 Sekunden von 0 auf 100. Seine Spitze liegt deutlich jenseits der 200-KilometerMarke.

Damit nicht genug. In der von Yvonne gewählten Sportversion mit der vielsagenden Bezeichnung „Chili & Pepper“ gibt es eine brandheisse Zusatzfunktion. Wer sie aktiviert, verwandelt den Flitzer in eine Bestie. Der Motor brüllt martialisch auf, der Auspuff röhrt, Zusatzscheinwerfer blitzen auf, der ganze Renner vibriert und stürmt mit kreischenden Reifen ungestüm vorwärts.

Dieser Mix aus akustischer und physikalischer Reizüberflutung führt bei sensiblen Fahrern im Gehirn zur Ausschüttung von Endorphin, eine Art Glückshormon, das den Piloten in einen euphorischen Rauschzustand versetzt. Wir wollen jetzt nicht spekulieren. Es mag genügen zu wissen, dass sich, wenn Yvonne jeweils den Brudelholzrain hinaufblocht, sämtliche Hunde mit eingezogenem Schwanz im Gebüsch verkriechen. Ja, es gibt Stimmen, die wollen wissen, sie gedenke gar am nächsten Klausenrennen teilzunehmen.

Noch ein letztes Wort zu unserem Internet-Auftritt. Da hat sich auf unserer Homepage Unerhörtes zugetragen. Was ich ihnen jetzt zur Kenntnis bringe, ist nicht etwa fein gesponnenes Seemannsgarn oder wildes Jägerlatein. Nein, es ist die Wahrheit, ja im wahrsten Sinne des Wortes die nackte Wahrheit. Unsere Homepage hat am vergangenen 1. Mai um 17.09 einen unerbetenen Besuch erhalten, der mit Bridge nun aber auch wirklich gar nichts zu tun hat. Es wird im fraglichen Eintrag namentlich auf einen Herrn verwiesen, der — halten sie sich fest – – „reiferen Damen“ seine (Liebes-)Dienste anbietet. Für die Kleinigkeit von 5’000 Franken!

Unsere Präsidentin, der bekanntlich nichts entgeht, weil sie ja nach eigenem Bekunden nie schläft, hat den dreisten Eintrag natürlich umgehend entdeckt. Sie hat sich davon jedoch nicht etwa angesprochen gefühlt, schliesslich ist sie ja noch meilenweit davon entfernt, eine „reifere Dame“ zu sein. Sie hat sich vielmehr ob der Anstössigkeit des unverfrorenen Angebots masslos geärgert. Und hat umgehend die Löschung der rufschädigenden Einschrift veranlasst. So weit, so gut.

Nun bin ich als Wirtschaftsredaktor mit rund 50jähriger Berufserfahrung zwar mit einer ganzen Reihe von Märkten einigermassen vertraut, seien es Wertpapiere, Immobilien, Edelmetalle, Schweinebäuche, Versicherungen und was der Dinge mehr sind. Aber von den Usanzen und insbesondere von den Konditionen dieses doch sehr speziellen Nischenmarktes habe ich keinerlei auch nur rudimentäre Kenntnis.

Wenn indes die vorgenannte Preisanschrift für solche Dienste (sie wissen, was ich meine) auch nur grosso modo dem gängigen „Marktpreis“ entsprechen sollte, dann, ja dann muss ich mich schon fragen, ob ich seinerzeit, in der Blüte meiner Jahre, bei der Wahl meiner Erwerbstätigkeit nicht womöglich einen suboptimalen Entscheid getroffen habe…

Diese etwas knifflige Frage darf ich nun im Raum stehen lassen. Sie mag allenfalls beim nun folgenden Festessen die Konversation bei Tisch beleben.

Ich danke ihnen für ihre freundliche Aufmerksamkeit.

6.1.17 / H.A.

 

Quodlibet, 3-Königs-Dinner 2016

Liebe Bridgefreunde,

Vor Jahresfrist habe ich mich dazu hinreissen lassen, ein paar Anmerkungen zum abgelaufenen Vereinsjahr anzubringen. Das war sehr unbedacht. Denn es hat „höheren Orts“ die Erwartung geweckt, ich möchte doch bitte Solches abermals tun. Dagegen habe ich mich beharrlich gesträubt. Doch wer weiss, wie virtuos unsere Präsidentin die Kunst der Überredung und der schmeichelhaften Einflüsterung beherrscht, wird sich kaum wundern, dass ich nun erneut hier stehe. Es wird vor allem unseren Vizepräsidenten nicht verwundern, der mir letztes Jahr kraft seiner prophetischen Gabe genüsslich zugeraunt hatte: „Dä Job hesch jetz“.

Nun, zum abgelaufenen Vereinsjahr gibt es eigentlich nichts Erwähnenswertes zu rapportieren, das unsere Präsidentin nicht bereits in ihrem Jahresbericht in den grossen Zügen dargelegt hätte. Ein paar Randbemerkungen mögen immerhin angebracht sein. So dürfen wir uns bei der Lektüre des erwähnten Berichts stolz auf die Brust klopfen, dank der Elektronik — ich zitiere — „in der Neuzeit des modernen Bridgespiels“ angekommen zu sein. Dazu habe, lesen wir weiter, die „faszinierende Mischmaschine“ massgeblich beigetragen.

Von dieser Faszination waren indes nicht alle aktiv und passiv Beteiligten gleichermassen ergriffen. Damit es nämlich beim Montagsturnier im Club mit der Elektronik dann auch wirklich klappen würde, hat sich unsere Präsidentin zu Hause mit den neuartigen Gerätschaften erst einmal gründlich vertraut machen müssen. Besonders der gekonnte Umgang mit der Mischelmaschine wollte in unzähligen Probeläufen erlernt und eingeübt sein.

Nun wissen wir aus leidvollem Miterleben, dass dieses Gerät im Vollbetrieb nicht nur blitzschnell Karten mischt, sondern auch nerventötend klappert. Das hat Yvonnes lieber Gefährte — ich spreche hier nicht von ihrem Gatten, sondern von ihrem Hund — nicht sonderlich goutiert. Zuerst mit Knurren, dann mit immer lauteren Gebell hat er gegen das lästige Geklapper protestiert. Denn in seinen hochempfindlichen Ohren tönte das Rattern der Mischelmaschine wie das heisere Belfern eines Maschinengewehres.

Um ungestört weiter üben zu können, musste unsere Präsidentin ihren geliebten Bobby contre coeur auf die Terrasse hinaussperren. Das hat das edle Tier tief gekränkt. Das konnte nicht einfach hingenommen werden, das schrie nach Vergeltung. Der nächststehende Blumentopf wurde in blindem Zorn umgeworfen, die darin prächtig aufblühende Amaryllis wutschnaubend herausgezerrt und zermanscht. Und dann obendrein noch das Topfgefäss mutwillig zerdebbert. Es war kein gewöhnlicher Blumentopf. Es war eine kostbare chinesische Vase aus der Ming-Dynastie von unschätzbarem Wert. — Unversichert!

Soweit zur hochgelobten Faszination der Mischelmaschine. Auch Barbara, die dieses elektronische Tabernakel in Vertretung der Chefin bedienen darf, hat damit ihr 7.Weltwunder erlebt. Wohl hat sie die 52 Karten eines Spiels fein säuberlich oben ins Mischelfach eingelegt. Doch der Aparillo hat sie — anstatt in vier gleiche Häufchen à 13 Karten gemischt abzulegen — allesamt schwuppdiwupp unten wieder herausplumpsen lassen. Solche und andere Kapriolen dürfen uns freilich nicht über Gebühr erschüttern. Schliesslich kommt der elektronische Schüttelbecher ja auch nicht aus dem Hightech-Mekka des Silicon Valley. Er kommt, na ja, aus Polen.

Die Mischelmaschine allein ist es jedoch nicht, die uns angeblich „in die Neuzeit des modernen Bridgespiels“ katapultiert hat. Es braucht dazu noch die neckischen Töggelikästchen , in welche an jedem Tisch das Ergebnis einer jeden Spielrunde eingetippt und dem Computer per Funk übermittelt wird. Auch auf dieser harmlos anmutenden Etappe kann allerlei passieren. Wenn es mir beispielsweise gelingt, allem gegnerischen Sperrfeuer zum Trotz einen Oberfarben-Manchekontrakt zu ergattern und dank meinem kreativen Abspiel auch zu erfüllen, ja sogar noch einen Überstich herauszuschinden, dann besteht noch lange kein Grund zu freudiger Genugtuung.

Denn jetzt wird zunächst emsig ins Kästchen getippt und dadurch der Computer per Funk mit meinen stolzen 450 Punkten gefüttert. Der hockt nicht auf der faulen Haut, sondern funkt seinen Befund postwendend zurück. Dieser erscheint jetzt auf dem kleinen Bildschirm des Kästchens, das man mir lächelnd vor Augen hält. Und war erblicke ich da? MINUS 450 — anstelle eines verdienten Top ein beschämender Flop! Und um meine Demütigung komplett zu machen, nötigt man mich noch, diese krasse Fehlanzeige zu bestätigen. Wundert sich da noch jemand, dass ich am Schluss in der Rangliste quasi permanent am unteren Ende figuriere?

Es hat vertiefter Meditation bedurft, um herauszufinden, weshalb es für mich öfters so unerquicklich läuft. Ich will es hier verraten: Der Computer hasst mich! Er hat mich auf dem Kieker, weil ich an der letzten GV als einziger gegen seine Anschaffung gestimmt habe. Das lässt mich der Schweinehund büssen.

Ein Beweis dafür gefällig! Bitte: Wenn es dem unergründlichen Ratschluss der Präsidentin gefällt, mich beim Turnier huldvoll als Partner an ihren Tisch zu bitten, dann läuft alles anders. Dann finde ich mich am Schluss mit ihr zuoberst in der Rangliste. Das hat natürlich vor allem mit ihrem magistralen Spiel zu tun, das meine gelegentlichen Patzer elegant ausbügelt. Aber es hat eben auch mit der List des Computers zu tun. Der sieht nämlich anhand der Starteingaben, mit wem ich zusammenspiele. Und unterlässt für einmal tunlichst seine dreckigen Spielchen, weil er weiss, dass er mich nicht, wie üblich, in den Orkus hinab buggsieren könnte, ohne nicht auch seine Gebieterin mit in den Abgrund zu reissen. Davon schreckt er dann doch trotz aller Heimtücke zurück.

Doch nun genug der gemischten elektronischen Erfahrungen und damit auch nicht näher zu den tieferen Ursachen des totalen Systemausfalls, der sich im September ereignet hat. Eine Panne, die unsere Präsidentin in ihren Ferien bis weit über Mitternacht hinaus ans iPhone gefesselt hat, weil sie die Ergebnisse des Turnierabends einsehen wollte. Ergebnisse, die es, wie unlängst auch beim Systemabsturz vom 21. Dezember, schlicht nicht gab. — Alles untrügliche Zeichen dafür, dass wir tatsächlich „in der Neuzeit des modernen Bridgespiels“ angekommen sind.

Jetzt aber noch von Erfreulicherem. Von spektakulären Leistungssteigerungen ist abschliessend zu berichten. Hatte es der Präsidentin am 9. März zusammen mit einer ungenannt sein wollenden Partnerin gerade mal für matte 31% gereicht, so hat sie sich am 7. September zusammen mit William auf traumhafte 85% emporgeschwungen. Doch es kommt noch dicker: Das Traumpaar Yvonne und William hat im Verein mit Susanne und Bridget mit einem triumphalen Kantersieg gegen ein Team des Classic Bridge Club die sogenannte Promotion geschafft und damit den Einzug in die 4.Liga erkämpft. Das verdient hier und jetzt lang anhaltenden, stürmischen Beifall!

Erinnern sie sich noch an den legendären Nachrichtensprecher des Schweizer Fernsehens, der die Tagesschau jeweils mit der Bemerkung abgeschlossen hat: „Und zum Schluss noch dies“. Dann folgte meist eine skurile oder jedenfalls humorvolle Begebenheit, auf die jeweils die gesamte Nation gespannt gewartet hatte. So sag ich denn auch: Und zum Schluss noch dies:

Ein selten pitoreskes Schauspiel hat uns am vergangenen 1. Juli Kay dargeboten, als sie sich, ins Gespräch vertieft, im Bridgelokal voller Gottvertrauen rittlings auf einen Glastisch setzte. Der war der ungewohnten Belastung nicht gewachsen und ging krachend und splitternd in Brüche. Der Schrecken, aber auch die nachfolgende Erleichterung waren gross, als sich herausstellte, dass Kays Allerwertester keinen Schaden erlitten hatte. Er ist ganz offensichtlich aus gutem Holz geschnitzt oder, wie es der Franzose wesentlich eleganter formulieren würde: „Touchez seulement, c’est de la qualité avant guerre!

Für verständnisvolles Schmunzeln sorgt hin und wieder auch unser Club-Seelsorger Ruedi, wenn er jeweils dem Erscheinen von Janet entgegenfiebert, um ihr stets modisches Outfit und hier insbesondere ihre Schuhe zu begutachten. Und kenntnisreich zu kommentieren. — Honni soit qui mal y pense!

Lat but not least ist noch an das rauschende Sommerfest auf der Binninger Höhe aus Anlass des 90. Geburtstags von Gina und zugleich des Sechzigsten von Yvonne zu erinnern. Es war brüllend heiss, entsprechend viel wurde getrunken. Auch Wasser. Höhepunkt bildete das anmutige Tänzchen, das unsere Seniorin zur musikalischen Begleitung ihres Sohnes an der Hand von Fridolin glückstrahlend absolvierte. Ein wirklich berührender Anblick, den man so rasch nicht vergisst.

Ich darf meine Ausführungen nicht beschliessen, ohne unserem Vorstand in unser aller Namen den grossen und hochverdienten Dank auszusprechen. Dank für all das Viele, was seine Mitglieder jahraus, jahrein für Gotteslohn leisten und vorkehren, damit wir uns Woche für Woche in freundschaftlicher Atmosphäre dem edlen Bridgespiel hingeben können. Naturgemäss liegt dabei die Hauptlast auf den Schultern unserer Präsidentin. Glücklicherweise sind diese Schultern das Tragen stattlicher Lasten gewohnt. Das hat sich im letzten Frühjahr im Verlauf eines mehrwöchigen, rucksackbewehrten Gewaltsmarsches über 300 Kilometer (!) eindrücklich erwiesen. Es nährt die Hoffnung, sie möge die Bürde des Präsidiums auch im soeben begonnenen neuen Jahr mit Schwung und einer gerüttelten Dosis Freude lustvoll weiter tragen.

Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.